Mindestlohn ignoriert, Überstunden unbezahlt: Wie Arbeitgeber 2024 Gesetze umgehen

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Ein Plakat mit großer schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zeigt "Kinderaffen ist eine nationale Geisel - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen", mit einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam stehen.Admin User

Mindestlohn ignoriert, Überstunden unbezahlt: Wie Arbeitgeber 2024 Gesetze umgehen

Arbeitnehmer in Deutschland sahen sich 2024 mit weitverbreiteten Lohnverstößen und schwachem rechtlichem Schutz konfrontiert. Eine aktuelle Studie zeigt, dass im vergangenen Jahr 850.000 Beschäftigte weniger als den Mindestlohn erhielten. Gleichzeitig bleibt die Durchsetzung der Gesetze lückenhaft – viele Unternehmen umgehen Strafen für Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Ein Transportunternehmen bei Hof in Oberfranken wurde dabei ertappt, wie es seinen Fahrern 64.000 Euro an Löhnen vorenthielt. Trotz einer Strafe wegen Mindestlohnverstößen setzte der Arbeitgeber die Praxis fort und musste schließlich ein zusätzliches Bußgeld von 3.000 Euro zahlen. Solche Fälle verdeutlichen die anhaltenden Probleme bei der Lohnkontrolle.

Arbeitnehmer kämpfen zudem mit schwacher Interessenvertretung. Nur noch 36 Prozent der Beschäftigten haben heute einen Betriebsrat – in den 1990er-Jahren lag dieser Anteil bei über 50 Prozent. Arbeitgeber müssen kaum Konsequenzen fürchten, wenn sie die Gründung solcher Gremien behindern, und es gibt keine offiziellen Statistiken zu Ermittlungen oder Verurteilungen in solchen Fällen.

Hinzu kommen Missbräuche bei Überstunden. 2024 leisteten Arbeitnehmer 638 Millionen unbezahlte Überstunden. Gleichzeitig sind Kleinbetriebe mit zehn oder weniger Mitarbeitern weiterhin von Kündigungsschutzgesetzen ausgenommen, was viele Beschäftigte schutzlos zurücklässt. Nur 12 Prozent der Betroffenen wehren sich gegen ungerechtfertigte Kündigungen vor Gericht – oft, weil sie ihre Rechte nicht kennen.

Auch Betriebsprüfungen finden viel zu selten statt. Aktuell gibt es im Schnitt alle 100 Jahre eine Sicherheitskontrolle. Ab dem nächsten Jahr soll dies auf alle 20 Jahre erhöht werden – ein Fortschritt, aber immer noch weit entfernt von einer regelmäßigen Überwachung.

Die Ergebnisse zeigen eine Kluft zwischen Arbeitsgesetzen und ihrer Umsetzung. Mit Millionen unbezahlter Stunden, geringer Vertretung und seltenen Kontrollen stehen Arbeitnehmer vor anhaltenden Herausforderungen. Die geplante Häufung der Betriebsprüfungen könnte die Bedingungen verbessern, doch um strukturelle Probleme zu lösen, wären umfassendere Reformen nötig.

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