Dresdens verbotene Kreativität: Wie die Obergraben-Druckerei die DDR-Kunst prägte

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Eine detaillierte Zeichnung der Schlosshof-Fassade in Dresden, Deutschland, mit zahlreichen Fenstern und Statuen auf einem Blatt Papier mit Text.Admin User

Dresdens verbotene Kreativität: Wie die Obergraben-Druckerei die DDR-Kunst prägte

In den 1970er-Jahren in der DDR trotzten eine Gruppe von Künstlern leise den politischen Restriktionen, indem sie die Dresdner Obergraben-Druckerei gründeten. Was als kleines, halb-offizielles Atelier begann, entwickelte sich zu einem zentralen Ort der Underground-Kunst, der Drucktechnik, Verlagstätigkeit und Ausstellungen verband. Trotz Überwachung gedieh die Initiative und bot einen seltenen Freiraum für kreative Entfaltung unter dem Honecker-Regime.

Das Projekt nahm seinen Ursprung im Dresdner Atelier am Obergraben, wo Künstler wie Gert Hunold und andere mit stillschweigender Duldung der herrschenden SED arbeiteten. Zwar offiziell als "Nischenkultur" toleriert, stand das Kollektiv unter ständiger Beobachtung durch die Stasi. Zu ihren frühen Experimenten zählten heimliche Siebdrucke sowie selbstverlegte Fanzines, Plakate und Kunstbücher.

1978 gewann die Gruppe an Fahrt, als Eberhard Göschel in ein größeres Atelier umzog und damit eine Dreizimmerwohnung für weitere Arbeiten freimachte. Zur gleichen Zeit schloss sich der Drucker Jochen Lorenz an – frustriert von Routineaufträgen wie dem Druck von Fahrplänen – und suchte nach kreativeren Herausforderungen. Der Ansatz des Kollektivs spiegelte A.R. Pencks Theorie der 1970er-Jahre wider, "Vom Underground zum Oberground", die dafür plädierte, marginalisierte Kunst einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Inspiriert wurde die Initiative auch von Veranstaltungen wie den Ausstellungen von 1978, die von der documenta beeinflusst waren, sowie von Kontakten zur Berliner Szene in Prenzlauer Berg. Peter Herrmann steuerte eine restaurierte italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908 bei, die von Bernhard Theilmann instand gehalten wurde und zum Herzstück ihrer Arbeit wurde. Sowohl Herrmann als auch Göschel gehörten seit 1976 zur Arbeitsgruppe des Leonhardi-Museums, was die Druckerei noch stärker in Dresdens Kulturszene einband.

Im folgenden Jahrzehnt entwickelte sich die Obergraben-Druckerei zu einer Mischung aus Künstlervereinigung, Druckwerkstatt, Verlag und Galerie. Sie bot eine unverzichtbare Plattform für experimentelle Arbeiten – auch wenn Gruppen wie A.R. Pencks "Lücke", 1971 gegründet und bereits 1976 wieder aufgelöst, bereits zuvor Grenzen in der Dresdner Kunstszene ausgelotet hatten.

Die Dresdner Obergraben-Druckerei hinterließ bleibende Spuren in der Kunstgeschichte der DDR. Durch die Verbindung von Druck, Verlagswesen und Ausstellungen schuf sie einen seltenen Gegenentwurf zur repressiven Ära. Ihr Erbe lebt weiter als Zeugnis künstlerischen Widerstands unter politischen Zwängen.

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