Streit um Hochhausneubau in Schwabing: Moderne Architektur vs. historisches Erbe

Anna Krause
Anna Krause
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Ein altes Gebäude mit einer Tür, Fenstern, Geländern und Skulpturen an seiner Fassade, dargestellt in Schwarz-Weiß.Anna Krause

Streit um Hochhausneubau in Schwabing: Moderne Architektur vs. historisches Erbe

Geplanter 12-stöckiger Hochhausneubau in Münchens Schwabing entfacht Streit zwischen Investoren und Denkmalschützern

Ein geplanter 12-stöckiger Hochhauskomplex im Münchner Stadtteil Schwabing sorgt für kontroverse Diskussionen zwischen Bauherren und Denkmalschützern. Der von den Architekten von OSA entworfene, geschwungene Turm soll auf dem Gelände der ehemaligen Hesselberger Lederfabrik entstehen – einem Ort mit einer bewegten Geschichte, die sowohl industrielles Erbe als auch nationalsozialistische Verfolgung verbindet. Nun stehen lokale Behörden vor der Herausforderung, modernes städtisches Wachstum mit dem Erhalt eines Gebäudes in Einklang zu bringen, das einst als jüdisches Ausbildungszentrum diente, bevor seine ursprüngliche Besitzerin 1941 ermordet wurde.

Die ehemalige Lederfabrik in der Isarring 11 war vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre in Betrieb. 1939 wurde sie unter der NS-Herrschaft in eine "Ausbildungsstätte für jüdische Jugendliche im Handwerk" umgewandelt. Die ursprüngliche Besitzerin, Ilse Hesselberger, wurde später deportiert und 1941 in Polen ermordet. Seit den 1990er Jahren dient das Gebäude als Kulturort – ein Argument, das die Forderungen nach seinem Erhalt untermauert.

Der Entwurf von OSA sieht einen modernen, 12-stöckigen Neubau mit geschwungener Form vor, der auf dem Dach der Fabrik entstehen soll. Während die Münchner Gestaltungsbeirat und der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann das Projekt befürworten, lehnen Denkmalschützer es ab. Sie warnen, die Bauarbeiten könnten das historische Gebäude darunter beschädigen. Architekt Fabian Ochs hat einen Kompromissvorschlag eingebracht: den Hochhausneubau neben der denkmalgeschützten Fabrik zu errichten.

Die Auseinandersetzung hat auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk auf den Plan gerufen. Sie plant, die Israelitische Kultusgemeinde, Politiker und Denkmalschutzverbände zu konsultieren, um eine Lösung zu finden. Unterdessen entstehen im nahegelegenen Obersendling zwei neue Gebäude – ein Hotel und ein Boardinghouse – neben dem alten Siemens-Turm, ergänzt durch einen Kindergarten, ein Fitnessstudio und ein Café rund um ein Wasserbecken.

An anderer Stelle in der Stadt hat das Architekturbüro Henn eine monochrome Passage an der Nymphenburger Straße fertiggestellt, die nach drei Präsentationen im Rathaus entworfen wurde. Der schmale Durchgang soll künftig Apple-Mitarbeiter von der U-Bahn-Station Stiglmaierplatz zum neuen Campus des Tech-Konzerns führen.

Die Zukunft des Hochhausprojekts bleibt vorerst ungewiss, während die Verhandlungen andauern. Sollte es genehmigt werden, könnte der Neubau die Skyline Schwabings prägen – und zugleich eine Auseinandersetzung mit der dunklen Vergangenheit des Ortes erzwingen. Derzeit hängt das Schicksal der Fabrik von den weiteren Gesprächen zwischen Investoren, Denkmalschützern und der jüdischen Gemeinde ab, die jeweils unterschiedliche Visionen für die Isarring 11 haben.

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