Europa soll sich von den USA lösen – Lazard-Chef fordert neue Allianzen und Handelsstrategien

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Ein Infografik-Poster namens "In America investieren" zeigt Informationen über Arbeitsmöglichkeiten, Investitionsarten und geschätzte Investitionszeiten in verschiedenen Branchen, begleitet von Grafiken und Diagrammen.Admin User

Europa soll sich von den USA lösen – Lazard-Chef fordert neue Allianzen und Handelsstrategien

Peter Orszag, Vorstandsvorsitzender von Lazard, hat Europa aufgefordert, seine Abhängigkeit von den USA zu verringern. Bei einer kürzlichen Veranstaltung wies er auf wachsende Bedenken hinsichtlich der US-Wirtschaftspolitik unter dem früheren Präsidenten Donald Trump hin. Orszag schlug zudem neue Bündnisse und Handelsstrategien vor, um die Position Europas auf der globalen Bühne zu stärken.

Orszag warnte, dass Trumps Ansatz staatlicher Einflussnahme – den er als 'diskretionären Staatskapitalismus' bezeichnete – erhebliche Risiken berge. Im Gegensatz zur traditionellen US-Politik basierten Entscheidungen unter Trump oft auf individueller Einschätzung statt auf einem strukturierten Rahmen. Das System der Checks and Balances, so Orszag, habe in dieser Zeit an Kraft verloren. Ein Beispiel sei die direkte Beteiligung der Regierung an privaten Unternehmen gewesen – ein für die USA ungewöhnlicher Schritt.

In der Außenpolitik begrüßte Orszag den Vorschlag des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, ein Bündnis mittlerer Mächte zu bilden. Ein solches Partnerschaftsmodell könnte, so Orszag, dazu beitragen, die globale Machtbalance angesichts sich verschiebender Dynamiken auszugleichen. Zudem regte er an, dass die EU einem Beitritt zur asiatischen Freihandelszone prüfe, um ihre wirtschaftliche Reichweite in Europa und Asien zu erweitern.

Seine Äußerungen fallen in eine Phase sich wandelnder EU-China-Beziehungen. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zusammenarbeit vorsichtiger geworden: China wird zugleich als Partner, Konkurrent und systemischer Rivale wahrgenommen. Deutschlands China-Strategie von 2023 neu ausgerichtete Forschungs- und Technologiekooperationen, während die EU Handelsabkommen mit dem Mercosur und Indien vorantrieb, um die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten zu verringern. Initiativen wie das EU-Programm 'Global Gateway' konkurrieren mittlerweile direkt mit Chinas 'Neuer Seidenstraße' und spiegeln das Bestreben wider, in Europa und Asien eine größere Diversifizierung zu erreichen.

Trotz der Spannungen gibt es in bestimmten Bereichen wie Branchenveranstaltungen und ausgewählten Partnerschaften weiterhin Zusammenarbeit. Doch Sorgen über Überkapazitäten und regulatorische Hürden haben zu einer strengeren Prüfung der China-Engagements geführt.

Orszags Aussagen unterstreichen den Druck auf Europa, in Handel und Geopolitik eine eigenständigere Haltung einzunehmen. Seine Vorschläge – vom Beitritt zu asiatischen Handelsblöcken bis zur Bildung neuer Allianzen – spiegeln die Bemühungen wider, in einer Ära wirtschaftlicher Unsicherheit strategisch zu navigieren. Die sich entwickelnden Beziehungen der EU zu China sowie die sich ändernde US-Politik erhöhen zusätzlich die Komplexität dieser strategischen Entscheidungen.