Gasbohrungen in Reichling: Trinkwasser in akuter Gefahr durch schnelles Grundwasser
Gasbohrungen in Reichling: Trinkwasser in akuter Gefahr durch schnelles Grundwasser
Neue Bedenken wegen geplanter Gasbohrungen bei Reichling – aktuelle Daten zeigen, dass das Grundwasser deutlich schneller fließt als bisher angenommen. Die Erkenntnis bedeutet, dass die Behörden im Falle einer drohenden Verunreinigung der lokalen Trinkwasserversorgung weit weniger Zeit zum Handeln hätten. Kritiker werfen dem Bohrunternehmen vor, wiederholt Sicherheitsvorschriften missachtet und wichtige Befunde nicht fristgerecht gemeldet zu haben.
Ausgelöst wurde der Alarm durch Saskia Reinbeck von Greenpeace, die im Wasserwirtschaftsamt Weilheim aktualisierte Messdaten zur Fließgeschwindigkeit des Grundwassers entdeckte. Die Tests ergaben, dass sich das Wasser mindestens dreimal schneller bewegt als in früheren Schätzungen angenommen. Nach alten Berechnungen hätten die Behörden bis zu einem Jahr Zeit gehabt, um auf Verschmutzungsrisiken zu reagieren – doch die neuen Werte könnten dieses Zeitfenster auf nur noch wenige Monate verkürzen.
Das Wasserwirtschaftsamt hatte das Problem bereits dem Bergbauamt gemeldet und dabei auf die anhaltenden Versäumnisse des Bohrunternehmens hingewiesen. Pflichtberichte zum Schutz des Trinkwassers fehlten, und die Aufsichtsbehörden kritisierten, dass das Unternehmen Sicherheitsprotokolle systematisch umging. Unterdessen verurteilte die Bürgerinitiative Reichling-Ludenhausen sowohl die Verzögerungen bei der Berichterstattung als auch die generelle Missachtung der öffentlichen Sicherheit durch das Unternehmen.
Trotz der Kontroversen plant das Bohrunternehmen, weitere Studien durchzuführen, bevor es offiziell einen Antrag auf Abbaurechte stellt. Die Gasförderung in Reichling könnte dennoch bald beginnen, auch wenn seit 2021 strengere bundesweite Vorschriften gelten. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und die Bergbaubehörden verlangen nun umfassendere Risikobewertungen und eine bessere Überwachung. Allerdings bleiben Details zu konkreten Vorfällen oft unklar, da die Aufsichtsbehörden ihre Hinweise häufig in Form von technischen Aktualisierungen und nicht durch öffentliche Bekanntmachungen erteilen.
Die erhöhte Fließgeschwindigkeit des Grundwassers lässt weniger Spielraum für Fehler beim Schutz des Reichlinger Trinkwassers. Zwar haben die Behörden die Kontrollen verschärft, doch die wiederholten Versäumnisse des Bohrunternehmens wecken Zweifel an der Einhaltung der Vorschriften. Da die Gasförderung möglicherweise bald beginnt, fordern lokale Initiativen und Umweltschutzorganisationen eine strengere Durchsetzung der Regeln sowie mehr Transparenz.
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