Antisemitismus-Vorwürfe gegen Stefan Raab: RTL löscht umstrittenen Sketch mit Gil Ofarim
Antisemitismus-Vorwürfe gegen Stefan Raab: RTL löscht umstrittenen Sketch mit Gil Ofarim
Ein aktueller Sketch in der Stefan-Raab-Show hat für Empörung gesorgt, nachdem der Sänger Gil Ofarim darin antisemitischen Klischees ausgesetzt wurde. Die Sequenz, die im Rahmen eines Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!-Specials auf RTL ausgestrahlt wurde, enthielt Witze über Ofarims jüdische Herkunft. Die Kontroverse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem RTL Raabs Late-Night-Programme wiederbelebt, um sinkende Einschaltquoten aufzufangen.
Der Sender hat die gesamte Special-Folge inzwischen von seiner Streaming-Plattform entfernt – angesichts wachsender Kritik. Doch trotz des Backlashs verzeichnet die aktuelle Staffel von Ich bin ein Star weiterhin Rekordzahlen, was darauf hindeutet, dass weder der Sender noch Raabs Ruf langfristig Schaden nehmen werden.
Der anstößige Sketch wurde in einer vorproduzierten Sequenz der Stefan-Raab-Show gezeigt, einem Ableger des Formats Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!. Darin wurde Ofarim – ein säkularer Jude – wegen eines angeblich vererbten "Schwindler-Gens" von "Onkel Samuel" verspottet. Die Witze unterstellten zudem, seine Musik sei "besonders in der jüdischen Gemeinschaft" erfolgreich. Die Sequenz verschärfte bestehende Kontroversen um Ofarim, der zuvor wegen Verleumdung, falscher Anschuldigung und Betrugs verurteilt worden war, nachdem er Behauptungen gegen einen Hotelmitarbeiter erfunden hatte.
RTLs Entscheidung, Ofarim in der Show zu präsentieren, hatte bereits vor Ausstrahlung des Sketches Online-Debatten ausgelöst. Raabs Beteiligung an der Eskalation der Kontroverse goss zusätzlich Öl ins Feuer, da Kritiker dem Sender vorwarfen, schädliche Stereotype zu normalisieren. Zwar wies RTL in einer Stellungnahme jeden Antisemitismus-Vorwurf von sich, doch der Vorfall hat die Diskussion neu entfacht, wie deutsche Medien Jüdinnen und Juden oft darstellen – nämlich eher als Objekte der Neugier denn als Individuen.
Die Kontroverse trifft RTL in einer kritischen Phase. Bei einem Rückgang der TV-Werbeeinnahmen um 4,2 Prozent und sinkenden Quoten für 2024 setzt der Sender stark auf Raabs Rückkehr ins lineare Fernsehen. Seine Dschungelcamp-nachklapp-Sendungen erzielen starke Zahlen mit Marktanteilen von 27,8 und 20,1 Prozent. Eine neue Late-Night-Serie, Die Stefan Raab Show, ist nun Teil von RTLs Strategie, Zuschauer in einem schrumpfenden klassischen TV-Markt zu halten. Die hohen Einschaltquoten deuten derzeit darauf hin, dass der Skandal Raabs Comeback oder RTLs Pläne kaum gefährden wird.
Solche Vorfälle tragen jedoch zu einem größeren Problem bei. In sozialen Medien werden sie häufig mit antisemitischen Verschwörungstheorien verknüpft, die Jüdinnen und Juden als Außenseiter oder verdächtige Figuren darstellen. Besonders im Reality-TV, wo persönliche Geständnisse und Provokationen oft als Primetime-Unterhaltung durchgehen, kann die Grenze zwischen Satire und Vorurteil verschwimmen – mit realen Konsequenzen für die Betroffenen.
RTL hat das umstrittene Special zwar von seiner Plattform genommen, doch die Wirkung des Sketches hallt in der öffentlichen Debatte nach. Die Abhängigkeit des Senders von Raabs quotenträchtigen Formaten scheint vorerst gesichert, ohne dass unmittelbare Reputationsschäden erkennbar wären. Gleichzeitig unterstreicht der Vorfall, wie Medienrepräsentationen – selbst im Unterhaltungsbereich – Stereotype verstärken können, insbesondere wenn jüdische Identität zum Material für Witze oder quotengesteuerte Dramaturgie wird.
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