ZF entwickelt eigenen Prozessorchip für mehr Unabhängigkeit in der Fahrzeugelektronik
Anton HofmannZF entwickelt eigenen Prozessorchip für mehr Unabhängigkeit in der Fahrzeugelektronik
ZF, ein führender europäischer Automobilzulieferer, hat einen eigenen Prozessorchip vorgestellt, der die Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Halbleitern verringern soll. Die Technologie wurde auf der Embedded World in Nürnberg präsentiert und unterstreicht das Bestreben Europas, in der Fahrzeugelektronik unabhängiger zu werden. Der Chip soll fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme und autonome Funktionen auch in preisgünstigen Fahrzeugen zugänglicher machen.
Der neue Prozessor sammelt und vorverarbeitet Daten von Kameras, Radar und anderen Sensoren, bevor sie an den zentralen Fahrzeugcomputer weitergeleitet werden. Dadurch wird die Belastung der Hochleistungsrechner reduziert – Systeme, die zunehmend den Motor als Herzstück moderner Fahrzeuge ablösen. ZF entwickelte den Chip in Deutschland und ließ ihn in Dresden fertigen, was die europäische Kompetenz in der Chipproduktion unter Beweis stellt.
Bis zur Serienreife in Autos wird es voraussichtlich noch vier bis fünfeinhalb Jahre dauern. Für ZF ist dies ein strategischer Schritt, um Europas Stärke in der Chipentwicklung und Systemintegration zu demonstrieren. Derzeit stammen die meisten Automobilchips aus Asien oder den USA, was Europa von Lieferanten wie Nvidia und Qualcomm abhängig macht.
Mit der Eigenentwicklung will ZF die Kosten senken und die Abhängigkeit von ausländischer Technologie verringern. Das Vorgehen des Unternehmens steht im Einklang mit branchenweiten Forderungen – etwa des europäischen Zuliefererverbands CLEPA – nach mehr Investitionen in die Halbleiterentwicklung in Europa.
Der Chip von ZF könnte dazu beitragen, moderne Fahrfunktionen auch in günstigen Kompaktwagen zu etablieren. Das Projekt zeigt zudem, dass Europa das Potenzial hat, sich in einem von US-amerikanischen und asiatischen Anbietern dominierten Markt zu behaupten. Da die Serienproduktion noch Jahre auf sich warten lässt, liegt der Fokus nun auf der Skalierung und Verfeinerung der Technologie für den breiten Einsatz.






