Warum wir heute ständig unsere Meinung sagen müssen – und wo Stille bleibt
Anton HofmannWarum wir heute ständig unsere Meinung sagen müssen – und wo Stille bleibt
Meinungen scheinen heutzutage allgegenwärtig zu sein. Von Talkshows bis hin zu Online-Foren – überall teilen Menschen ihre Ansichten zu fast jedem erdenklichen Thema. Die Welt wirkt wie ein unerschöpflicher Quell an Standpunkten, und ein Ende des Stroms ist nicht in Sicht.
Allein in der vergangenen Woche wurde der Autor mit vehementen Meinungen zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und sogar zu Ananas auf Pizza überflutet. Es wirkt fast schon ungewöhnlich, Gedanken für sich zu behalten, denn das Äußern von Ansichten scheint heute erwartet zu werden. Manche vermuten, dass Menschen gerade deshalb die Natur aufsuchen, weil sie einen der seltenen Orte bietet, an dem man keinem Urteil ausgesetzt ist.
Spielerisch stellt sich der Autor eine Welt vor, in der selbst die Natur unerbittlich mit Meinungen um sich wirft. In einem Szenario beginnt das Mittelmeer, Urlauber nach ihrem Verhalten zu sortieren. In einem anderen äußern sich Kaktus, Mücken und Sonnenblumen kritisch über die Handlungen des Autors. Humorvoll schlägt der Schriftsteller vor, eine Regel einzuführen: Jeder sollte sich auf drei Meinungen pro Tag beschränken – jede weitere bedürfe der Genehmigung durch ein Rebhuhn.
Trotz des Humors bleibt der Autor skeptisch gegenüber Trends wie achtsamem Atmen. Er stellt fest, dass Talkshows, Podcasts und Foren weiterhin Meinungen für den Massenkonsum produzieren. Der Strom der Standpunkte reißt nicht ab. Die Natur hingegen schweigt in der Realität und bietet so eine kurze Verschnaufpause vom Lärm. Doch selbst in der Fantasie wirkt die Vorstellung, dass die Natur den Menschen richtet, unausweichlich.
