Warum sich im deutschen Profifußball kaum ein Spieler als schwul outet
Lukas MüllerWarum sich im deutschen Profifußball kaum ein Spieler als schwul outet
Im deutschen Fußball hat sich in den letzten zehn Jahren nur ein Profispieler als schwul geoutet. Thomas Hitzlsperger machte 2014 – nach seinem Karriereende – seine Homosexualität öffentlich und löste damit eine breite Medienresonanz aus. Seither hat sich kein aktiver Spieler aus den oberen Ligen zu diesem Schritt entschlossen.
Die Atmosphäre in Fußball-Umkleidekabinen gilt für schwule Spieler oft als feindselig. Beleidigungen und abwertende Sprüche sind an der Tagesordnung und setzen viele unter Druck, ihre Identität zu verbergen. Marcus Urban, einst ein vielversprechendes Talent, verließ den Sport sogar ganz, statt die Belastung weiter zu ertragen, heterosexuell zu erscheinen.
Auch Trainer und Berater raten Spielern häufig davon ab, sich zu outen. Joachim Löw, ehemaliger DFB-Bundestrainer, hatte Hitzlsperger noch während seiner aktiven Zeit davon abgehalten – aus Sorge vor öffentlicher Kritik und möglichen Leistungseinbußen. Christian Dobrick, Jugendtrainer beim FC St. Pauli, vermutet, dass schwule Spieler aufgrund der psychischen Belastung seltener den Sprung an die Spitze schaffen.
Agenten und Vereinsverantwortliche fürchten zudem finanzielle Konsequenzen. Manche befürchten, ein Coming-out könnte den Marktwert eines Spielers mindern und seine Karrierechancen schmälern. Statistisch gesehen könnten derzeit etwa 45 schwule Spieler in der ersten und zweiten Bundesliga aktiv sein – doch keiner von ihnen hat sich bisher geoutet.
Hitzlspergers Bekanntmachung 2014 sorgte für eine Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel und beherrschte wochenlang die Schlagzeilen. Dennoch hat sich seither nichts Grundlegendes geändert: Im deutschen Profifußball gibt es nach wie vor keine offenen schwulen Spieler. Die Branche steht weiterhin vor der Herausforderung, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Fußballer sicher fühlen, ihre sexuelle Orientierung offen zu leben.






