Warum der Flaggenstreit die Weimarer Republik bis 1933 spaltete
Der Flaggenstreit in Deutschland verschärfte sich während der Weimarer Republik und spaltete die politischen Lager über Jahre hinweg. Im Mittelpunkt des Konflikts standen die nationalen Symbole: Schwarz-Rot-Gold gegen Schwarz-Weiß-Rot. Alle Versuche, einen Kompromiss zu finden, scheiterten immer wieder und hinterließen das Land zutiefst gespalten in der Frage seiner Identität.
Die Wurzeln der Auseinandersetzung lagen im Chaos der Jahre 1918–19, als die Spartakisten und später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) eine rote Fahne forderten. Gleichzeitig bevorzugte die politische Rechte Schwarz-Rot-Gold, die Farben der Weimarer Koalition. Die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) tendierte hingegen zu Schwarz-Weiß-Rot und berief sich dabei auf deren Verwendung während des Krieges sowie auf die Befürchtung, eine Änderung könnte den Handelsschiffsverkehr beeinträchtigen.
Bis 1925 hatte sich die Spaltung in zwei Blöcke verfestigt: den „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und den „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Die Nationalversammlung versuchte, einen Ausgleich zu vermitteln – Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge, während die Handelsflagge Elemente beider Entwürfe vereinen sollte. Doch der Kompromiss beendete den Streit nicht.
Der Reichskunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen, doch seine Vorschläge fanden keine Unterstützung. Die Debatte flammte nach dem Wahlsieg Paul von Hindenburgs 1925 erneut auf, was die Rechte ermutigte, in der Flaggenfrage die Oberhand zu gewinnen.
Am 5. Mai 1926 erließ Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Sie schrieb vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) zeigen mussten. Der Schritt war eine kalkulierte Provokation, die die Linke und die Mitte zwingen sollte, sich hinter Schwarz-Rot-Gold zu stellen.
Doch der Konflikt schwelte weiter bis 1933, und jeder Konsensversuch scheiterte. Die Flaggenfrage blieb ungelöst – ein Spiegelbild der tieferen politischen Zerrissenheit der Republik. Die Zweite Flaggenverordnung trug kaum zur Versöhnung bei, sondern zementierte vielmehr die Gegensätze. Als die Weimarer Republik 1933 unterging, war die Symbolfrage noch immer ungeklärt. Das Scheitern, sich auf nationale Symbole zu einigen, stand exemplarisch für die grundlegende Instabilität der Epoche.






