Stille Mahnmale: Wie zwei Statuen an Zwangsarbeit und Kolonialismus erinnern
Anna KrauseStille Mahnmale: Wie zwei Statuen an Zwangsarbeit und Kolonialismus erinnern
Eine stille Statue in Brandenburg dient als mahnende Erinnerung an die Zwangsarbeit während der NS-Zeit. Am Eingang des Gutes Neuendorf im Sande gelegen, ehrt sie Opfer wie Jutta Baumwol, die nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Jährlich versammeln sich hier Menschen am Holocaust-Gedenktag und zum Jahrestag der Befreiung.
Unterdessen sorgte in Washington D.C. eine andere Statue 2020 für Schlagzeilen, als sie in der Nähe des Weißen Hauses aufgestellt wurde. Die Figur des Christoph Kolumbus wurde mitten in landesweite Proteste gegen ähnliche Denkmäler platziert.
Das Brandenburg-Denkmal entstand 2018 auf Initiative von Jutta Baumwols Bruder. Hätte sie überlebt, wäre sie 2021 101 Jahre alt geworden – doch sie wurde nach ihrer Deportation ermordet. Die aus Cortenstahl gefertigte Statue steht auf einem ameisenbedeckten Baumstumpf an einer ländlichen Straße. Sie symbolisiert die Menschen, die in den 1940er-Jahren auf dem Gut Neuendorf zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.
In den USA verfügte Präsident Donald Trump, dass die Kolumbus-Statue an der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building aufgestellt wird. Der Schritt erfolgte, nachdem Black-Lives-Matter-Proteste zur Entfernung anderer Kolumbus-Denkmäler geführt hatten. Die Vereinigung Italian American Organizations United unterstützte die Entscheidung und setzte sich für den Erhalt der Statue ein.
In Brandenburg bleibt das Denkmal ein Ort der Besinnung. Besucher kommen am 27. Januar zum Holocaust-Gedenktag und am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom NS-Regime, zusammen.
Die beiden Statuen stehen für gegensätzliche historische Symbole: Die eine ehrt die Opfer nationalsozialistischer Unterdrückung, die andere entfachte erneut Debatten über koloniale Erblasten. Beide ziehen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich – die eine durch stille Erinnerung, die andere durch politische Kontroversen.






