"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied gar nicht so gruselig ist
Moritz Albrecht"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied gar nicht so gruselig ist
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein harmloses Kinderlied mit düsterem Ruf
Das Kinderreim- und Singespiel „Ringel, Ringel, Reihe“ ist weltweit bekannt. Lange galt es als makabrer Verweis auf historische Katastrophen – doch seine wahren Ursprünge könnten weitaus harmloser sein. Forscher zweifeln mittlerweile die verbreitete Annahme an, der Reim beziehe sich auf die Pest oder den Schwarzen Tod.
Die früheste gedruckte englische Fassung des Liedes erschien erst 1881 – ein Zeitpunkt, der eine Verbindung zur Großen Pest von London 1665 unwahrscheinlich macht. Zeilen wie „Eine Handvoll Blumen“ oder „Wir fallen alle hin“ wurden oft als Pest-Anspielungen gedeutet, doch fehlende Belege stützen diese These nicht.
Wahrscheinlich entstand der Reim im 18. Jahrhundert in Deutschland als einfaches Kinderspiel. Manche vermuten, er ermöglichte Jugendlichen trotz religiöser Tanzverbote im 19. Jahrhundert eine Art „Tanzersatz“. Es gibt zahlreiche Varianten – einige völlig ohne düstere Untertöne. Experten ordnen ihn dem Volksgut zu; seine Bedeutung könnte schlicht unsinnig statt bedrohlich sein.
Trotz der Assoziationen mit Krankheit und Tod bleibt die Herkunft des Reims rätselhaft. Fehlende frühe Aufzeichnungen und fröhliche Versionen widerlegen die Pest-Theorie. Noch heute singen Kinder das Lied, während sie im Kreis drehen – ahnungslos, dass es einst als „mörderisch“ galt.






