Joey Skaggs entlarvt mit seiner Aprilscherz-Parade die Leichtgläubigkeit der Medien
Moritz AlbrechtJoey Skaggs entlarvt mit seiner Aprilscherz-Parade die Leichtgläubigkeit der Medien
Jedes Jahr am 1. April narrt der Künstler und Scherzkeks Joey Skaggs die Medien mit einer aufwendig inszenierten Aprilscherz-Parade in New York City. Seit 1986 verschickt er Pressemitteilungen, in denen er Blasorchester, Politiker und Journalisten zu einer großen Veranstaltung entlang der Fifth Avenue einlädt. Der Haken? Die Parade selbst ist eine Finte – ersonnen, um zu zeigen, wie leicht sich die Medien in die Irre führen lassen.
Skaggs ist mit Täuschungen bestens vertraut. Seine Streiche reichen Jahrzehnte zurück: von erfundenen Samenspendebanken bis zu fiktiven Bestattungsdiensten, alles darauf angelegt, die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion zu verwischen. Die diesjährige Pressemitteilung setzte die Tradition fort und forderte die Teilnehmer auf, die Realität zu hinterfragen – versüßt mit dem Versprechen, ein Double des Präsidenten an der Spitze des Umzugs zu präsentieren.
Erstmals Schlagzeilen machte Skaggs 1985, als Sports Illustrated eine Geschichte über Hayden "Sidd" Finch veröffentlichte, einen angeblichen Pitching-Talent der Mets, der angeblich Bälle mit 270 km/h werfen konnte. Der Artikel, gespickt mit erfundenen Zitaten und Statistiken, täuschte die Leser – bis das Magazin ihn als Aprilscherz enttarnte. Skaggs ließ sich von solchen Streichen inspirieren und startete im Jahr darauf seinen eigenen jährlichen Medienhoax.
Sein Coup von 1998 drehte sich um einen fiktiven britischen Schriftsteller namens William Boyd, der angeblich auf einer von David Bowie ausgerichteten Verlagsparty gefeiert wurde – der Autor existierte natürlich nicht. Im Laufe der Jahre perfektionierte Skaggs diese Masche: Mit gefälschten Presseunterlagen, Websites und Interviews verkaufte er absurde Ideen. 2020 behauptete er, über eine "Prominenten-Samenbank" tiefgekühltes Sperma von Stars zu vertreiben – eine Anspielung auf einen Scherz aus den 1970ern. Zwei Jahre später warb er für "Virtual-Reality-Beerdigungen", ein Echo auf seinen "Freudenhaus für Hunde"-Streich der 1980er. Sein Trick 2024? Eine "KI-Kunstfälschungs-Erkennungs"-App – natürlich ebenfalls erfunden.
Die jährliche Parade-Ankündigung folgt einem ähnlichen Muster. In Pressemitteilungen werden großspurige Themen beschrieben, wie 2016 ein Donald-Trump-Double-Wettbewerb oder eine Y2K-Apokalypse-Party. Medien und Schulen zeigen oft Interesse – nur um festzustellen, dass es keine großangelegte Veranstaltung gibt. Skaggs gibt offen zu, dass die Parade eine Farce ist, ein Mittel, um die Menschen "wieder mit ihrer angeborenen Dummheit zu konfrontieren". Für ihn ist die Medienwelt seine "Leinwand", auf der er mit Satire Autoritäten herausfordert und blindes Vertrauen in offizielle Erzählungen entlarvt.
Wer tatsächlich auftaucht, findet allenfalls eine kleine Runde – wenn überhaupt. Doch der Streich lebt weiter, mit jedem Jahr verfeinert Skaggs seine Methoden. Die Pressemitteilung 2024 lud die Öffentlichkeit ein, die Realität selbst infrage zu stellen, angeführt von einer Figur, die einen Präsidenten imitierte. Das Ziel bleibt dasselbe: zu zeigen, wie bereitwillig Menschen – und die Presse – das Unwirkliche akzeptieren, wenn es nur überzeugend verpackt ist.
Skaggs' Aprilscherz-Parade ist längst zur Tradition der Täuschung geworden und beweist: Selbst im Zeitalter des Faktenchecks können gut gemachte Lügen sich verbreiten. Medien fallen weiterhin auf seine Streiche herein, während die Öffentlichkeit Jahr für Jahr daran erinnert wird, Gelesenes zu hinterfragen. Die Parade mag nicht existieren – doch ihre Botschaft ist real: Skepsis, so Skaggs, sei eine Fähigkeit, die es zu feiern gelte.






