Hannovers Integrations-Skandal: Wie 740.000 Euro öffentliche Gelder verschwanden
Lukas MüllerHannovers Integrations-Skandal: Wie 740.000 Euro öffentliche Gelder verschwanden
In Hannover ist ein Skandal um Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, aufgeflammt. Gemeinsam mit ihrer Tochter Esma Bozdemir wird ihr vorgeworfen, öffentliche Gelder für ein Integrationsprojekt veruntreut zu haben. Das Amtsgericht Hannover hat nun Insolvenzverfahren gegen ihren Verein eingeleitet.
Iri gründete 2018 den Verein Integrationsarbeit Kronsberg. Bis 2023 erhielt dieser vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 924.479 Euro für das Projekt Respekt Café Kronsberg. Doch bereits bis Juni desselben Jahres waren fast 740.000 Euro ausgezahlt worden – ohne nachweisbare Ergebnisse.
Iri und Bozdemir, die als Vereinsvorsitzende fungierte, zahlten sich gemeinsam mindestens 685.000 Euro an Gehältern aus. Iri bezog ab November 2023 ein monatliches „Honorar“ von 7.680 Euro, das sich im Laufe der Zeit erhöhte. Beide traten inzwischen von ihren Posten zurück und legten ihre SPD-Mitgliedschaft ruhen.
Doris Schröder-Köpf, die ehemalige Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, hatte Iri persönlich durch Empfehlungsschreiben unterstützt. Der Bundestagsabgeordnete und SPD-Landesvize in Niedersachsen, Adis Ahmetović, war bereits im Dezember 2022 über die Vorwürfe informiert worden, unternahm jedoch nichts.
Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Mittel für Immobilienkäufe verwendet wurden. Die Insolvenzverfahren stellen eine formale Reaktion auf die finanziellen Unregelmäßigkeiten dar. Die Rücktritte von Iri und Bozdemir sowie die Ruhestellung ihrer Parteimitgliedschaften folgen der zunehmenden Kritik. Die Ermittlungen zur Veruntreuung von Geldern und möglichen Grundstückskäufen laufen noch.
