Entwicklungshilfe am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Lukas MüllerEntwicklungshilfe am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
NGOs legen Jahresbilanz der deutschen Entwicklungspolitik vor
Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes haben am Mittwoch die Ergebnisse ihrer jährlichen Bewertung präsentiert. Dabei wiesen sie auf drängende Herausforderungen hin und forderten grundlegende Reformen in der Steuerung und Finanzierung von Entwicklungshilfe.
Die Organisationen begrüßten zwar die Pläne der Bundesregierung, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, kritisierten jedoch, dass die aktuelle Reform an einer klaren, kohärenten Strategie fehle. Mogge betonte, es gehe darum, Qualität vor Quantität zu stellen und Bürokratie abzubauen, um die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern zu verbessern.
Beide Experten unterstrichen, dass humanitäre Hilfe stärker auf Prävention statt nur auf Krisenbewältigung setzen müsse. Sie warnten, dass sich verschärfende Konflikte, der Klimawandel und wirtschaftliche Belastungen den Druck auf die Entwicklungszusammenarbeit weiter erhöhten. Zudem kritisierten sie die zunehmende Politisierung von Hilfe, die deren Neutralität und Unabhängigkeit untergrabe.
Hofert forderte, dass die Reform nicht allein von Berlin aus gesteuert werden dürfe. Stattdessen müssten Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen frühzeitig und verbindlich in die Gestaltung künftiger Politiken einbezogen werden. Die NGOs verlangten zudem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die Zivilgesellschaft – sowohl in Deutschland als auch im Ausland – stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden.
Seit 2022 hat die Bundesregierung den Etat für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt. Für 2027 sind weitere Kürzungen geplant. Um die Finanzlücke zu schließen, fordern die Organisationen eine Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe von derzeit einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Haushalt.
Der Bericht der NGOs unterstreicht die Notwendigkeit inklusiverer und strategischerer Entwicklungspolitiken. Gefordert werden mehr Mittel für humanitäre Hilfe sowie eine stärkere Einbindung lokaler Akteure in Entscheidungen. Ohne diese Änderungen, so die Warnung, könnte die Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit der deutschen Entwicklungshilfe weiter schwinden.
