BMW-Chef Oliver Zipse verlässt das Unternehmen nach 35 Jahren in turbulenter Zeit
Anna KrauseBMW-Chef Oliver Zipse verlässt das Unternehmen nach 35 Jahren in turbulenter Zeit
Oliver Zipse wird in den kommenden Wochen sein Amt als BMW-Chef aufgeben und beendet damit eine mehr als 35-jährige Karriere beim Unternehmen. Sein Abschied fällt in eine schwierige Phase für die Automobilbranche, die von geopolitischen Spannungen, Handelsstörungen und dem harten Wettbewerb durch chinesische Hersteller geprägt ist.
Sein Nachfolger wird Milan Nedeljković, der derzeitige Produktionsvorstand. Die Übergabe erfolgt nach einer zweijährigen Verlängerung von Zipses Vertrag – trotz der bei BMW üblichen Altersgrenze von 60 Jahren für Führungskräfte.
Unter Zipses Führung behielt BMW seine starke Position als Premium-Hersteller in Europa. Doch chinesische Konkurrenten wie BYD haben aufgeholt und erreichten bis Juli 2025 einen Marktanteil von 4,8 Prozent – gestützt durch einen Umsatzanstieg von 290 Prozent in Europa. Dieser Wandel erhöht den Druck auf BMWs kostspielige Umstellung auf Elektrofahrzeuge.
Zipse setzte stark auf die Modernisierung des Münchner Werks, statt einen Neubau zu errichten. Die aufgewertete Produktion dient nun als Basis für die Neue Klasse, BMWs neue Elektro-Plattform. Er betonte, dass die elektrische 3er-Reihe, Teil dieser Baureihe, nur in Deutschland gefertigt werden könne – als Symbol für deutschen Ingenieursgeist.
Offen sprach Zipse die Herausforderungen europäischer Autobauer an. Er kritisierte das schwindende Vertrauen in Deutschland als Wirtschaftsstandort und lehnte die Vorstellung einer vollständigen Unabhängigkeit in der heutigen globalisierten Wirtschaft ab. Stattdessen plädierte er für Zusammenarbeit in einer vernetzten Welt.
Der scheidende Vorstandsvorsitzende nannte zudem die größeren Herausforderungen: geopolitische Konflikte, Lieferkettenprobleme und den rasanten Aufstieg chinesischer Wettbewerber. Diese Faktoren haben die Branche umgekrempelt und BMW zum Anpassen gezwungen – ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verraten.
Mit Zipses Abgang übernimmt eine neue Führung die Geschicke von BMW in einem sich wandelnden Markt. Der Fokus bleibt auf elektrischer Innovation, wobei die Neue Klasse nun im Mittelpunkt der Strategie steht. Nedeljković tritt sein Amt in einer Phase an, in der die Balance zwischen Tradition und Transformation entscheidender ist denn je.