Bessere Abiturnoten, schwächere Studierenden: Warum Universitäten alarmiert sind
Moritz AlbrechtBessere Abiturnoten, schwächere Studierenden: Warum Universitäten alarmiert sind
Deutsche Universitäten kämpfen mit Studierenden, die bessere Abiturnoten, aber schwächere Grundkenntnisse mitbringen
Deutsche Hochschulen haben zunehmend Schwierigkeiten, mit Studierenden zurechtzukommen, die zwar bessere Abiturnoten vorweisen, aber über unzureichende grundlegende Fähigkeiten verfügen. Trotz der verbesserten Prüfungsergebnisse warnen Wissenschaftler:innen, dass das Abitur nicht mehr zuverlässig die Studierfähigkeit bescheinigt. Die Problematik hat Forderungen nach Reformen laut werden lassen, um die Glaubwürdigkeit des Abiturs als Leistungsmaßstab wiederherzustellen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der gewichtete bundesweite Notendurchschnitt im Abitur von 2,5 im Jahr 2006 auf heute 2,36 verbessert. Doch hinter diesem Aufwärtstrend verbirgt sich ein wachsendes Problem: großzügig vergebene Spitzennoten führen zu unrealistischen Erwartungen bei den Schüler:innen. Dozent:innen berichten mittlerweile von weit verbreiteten Defiziten in zentralen Kompetenzen – etwa in Mathematik, Leseverständnis und der Fähigkeit, Gedanken präzise zu formulieren. Viele Studierende zeigen zudem eine geringere Bereitschaft, sich intensiv mit wissenschaftlichen Texten auseinanderzusetzen.
Um diese Lücken zu schließen, haben Hochschulen fachspezifische Brückenkurse eingeführt. Diese Programme sollen fehlende Grundlagen vermitteln, bevor das eigentliche Studium beginnt. Doch begrenzte Kapazitäten und strukturelle Hürden schränken die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ein. Das grundlegende Problem, so Expert:innen, liege in der schleichenden Absenkung der Bewertungsstandards.
Walter Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), fordert dringendes Handeln. Er warnt, die Noteninflation müsse gestoppt werden, um den langfristigen Wert des Abiturs zu erhalten. Koch plädiert für eine Rückkehr zum Prinzip "Qualität vor Quantität" – nur so könne die Prüfung bundesweit wieder die tatsächlichen Fähigkeiten der Absolvent:innen widerspiegeln.
Die Kluft zwischen steigenden Abiturnoten und sinkender Studienvorbereitung setzt die Universitäten unter Anpassungsdruck. Ohne Änderungen bei den Bewertungspraktiken werden Brückenkurse und Förderprogramme weiterhin überlastet bleiben. Nun steht die Frage im Raum, ob Reformen das Vertrauen in das Abitur als fairen und verlässlichen Indikator für die Leistungsfähigkeit von Studierenden zurückgewinnen können.






