Söder will Frühverrentung streichen – SPD warnt vor Realitätsverlust bei Rentenplänen
SPD-Sozialexpertin: Söders Aussagen zu Mehrarbeit 'abwegig' - Söder will Frühverrentung streichen – SPD warnt vor Realitätsverlust bei Rentenplänen
In Deutschland ist eine Debatte über Rentenregeln und Arbeitszeiten zwischen politischen Spitzenvertretern entbrannt. Markus Söder, Vorsitzender der Christlich-Sozialen Union (CSU), schlug vor, die "Rente mit 63" abzuschaffen und die wöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde zu erhöhen. Die sozialpolitische Expertin der SPD, Annika Klose, lehnte beide Vorschläge entschieden ab und argumentierte, sie ignorierten die Realität älterer Arbeitnehmer sowie bestehende Tarifvereinbarungen.
Die Regelung zur "Rente mit 63" war 2012 für Beschäftigte mit 45 Beitragsjahren eingeführt worden und ermöglichte ihnen einen vorzeitigen Renteneintritt ohne volle Abschläge. Bis 2014 sank die Altersgrenze durch das RV-Leistungsverbesserungsgesetz auf 62 Jahre, wobei die Abschläge von 7,2 auf 10,8 Prozent stiegen. Andere Frühverrentungsoptionen wie die Arbeitslosen- oder Frauenrente wurden für Jahrgänge nach 1952 schrittweise abgeschafft.
Söder fordert nun die vollständige Abschaffung der Frühverrentung und plädiert stattdessen für eine "Rente mit 65" ohne Abzüge. Klose widersprach dem mit dem Hinweis, dass viele Arbeitnehmer bereits heute Schwierigkeiten hätten, über das 60. Lebensjahr hinaus im Beruf zu bleiben. Zudem verwies sie darauf, dass Weiterbildungsförderung für über 55-Jährige oft gekürzt werde, was es älteren Beschäftigten erschwere, sich anzupassen.
Bei der Arbeitszeit regte Söder an, eine zusätzliche Wochenstunde einzuführen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Klose entgegnete, solche Entscheidungen lägen in der Verantwortung der Tarifpartner und nicht der Politik. Sie betonte, dass deutsche Arbeitnehmer bereits jetzt Flexibilität zeigten, indem sie bei Bedarf Mehrarbeit leisteten.
Das aktuelle Rentensystem erlaubt den vorzeitigen Austritt mit 62 Jahren für langjährig Versicherte oder Schwerbehinderte, während die reguläre Altersgrenze für jüngere Generationen bei 67 Jahren liegt. Kloses Widerstand spiegelt die Sorgen um die Jobsecurity älterer Arbeitnehmer und die Rolle der Gewerkschaften bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen wider. Der Streit lässt die Zukunft von Rentenregeln und Arbeitszeiten vorerst ungewiss.
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