Mozarts Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment in Wiesbaden
Anton HofmannMozarts Così fan tutte wird zum radikalen Beziehungsexperiment in Wiesbaden
Das Staatstheater Wiesbaden verwandelt Mozarts Così fan tutte in ein kühnes Echtzeit-Experiment über Liebe und Treue. Für nur 10 Euro werden die Zuschauer nicht nur die Oper erleben – sie werden selbst Teil davon. Regie führt Marie-Ève Signeyrole, die alle Fassade fallen lässt, um die ungeschminkte Wahrheit über Beziehungen unter Druck zu enthüllen.
Die Inszenierung verwandelt die Bühne in eine Kunstschule, in der das Publikum die Rolle von Studierenden übernimmt – ein Spiel, das von Don Alfonso orchestriert wird. Der Abend beginnt nicht im Zuschauerraum, sondern hinter der Bühne und hebt so die übliche Trennung zwischen Darstellern und Publikum auf. Zwanzig junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren beziehen ihren Platz auf der Bühne und tauchen damit direkt ins Herz der Aufführung ein.
Opernerfahrung ist nicht nötig – nur Mut und vielleicht ein bisschen Humor. Die Herausforderung ist groß, auch wenn der Eintrittspreis niedrig ist. Signeyroles Vision geht über klassische Unterhaltung hinaus: Statt nur aufzuführen, nutzt sie die Oper, um zu provozieren und zu hinterfragen. Während die Paare auf die Probe gestellt werden, legt die Produktion schonungslos offen, was bleibt, wenn Liebe unter die Lupe genommen wird.
Diese Neuinterpretation von Così fan tutte fordert sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer auf, sich unbequemen Fragen zu Vertrauen und Hingabe zu stellen. Das Experiment entfaltet sich in Echtzeit mit echten Paaren und verwischt die Grenze zwischen Fiktion und Realität. Karten gibt es für eine Vorstellung, die so aufschlussreich wie ungewöhnlich verspricht zu werden.






