Marathon-Theater feiert triumphales Comeback auf dem Berliner Theatertreffen
Anton HofmannMarathon-Theater feiert triumphales Comeback auf dem Berliner Theatertreffen
Lange, immersive Theaterproduktionen erleben in den deutschsprachigen Ländern ein Comeback. Auf dem diesjährigen Berliner Theatertreffen wurden marathongleiche Aufführungen präsentiert, darunter eine siebenstündige Inszenierung von "Wallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen". Das Publikum griff begierig zu den Tickets – ein deutliches Zeichen für die wiedererwachte Lust an epischer Bühnenerzählung.
Die Vorliebe für ausufernde Stücke hat in der deutschen Theaterlandschaft eine lange Tradition. Das Regietheater, das in den 1970er- und 1980er-Jahren an Fahrt aufnahm, brach mit Konventionen und setzte auf längere, intensiver erlebbare Inszenierungen. Ein Extrembeispiel war Luk Percevals "Schlachten", das 1999 beim Salzburger Festspiele ganze zwölf Stunden dauerte.
Erst kürzlich brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 "Die Brüder Karamasow" in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Die Berliner Volksbühne bereitet nun eine Neuauflage von "Peer Gynt" vor, dessen erster Teil bei der Uraufführung bereits acht Stunden umfasste. Diese Produktionen stehen im scharfen Kontrast zu den kürzeren, pausenlosen Stücken, die während und kurz nach der Pandemie vorherrschten.
Das diesjährige Theatertreffen, das vom 1. bis 17. Mai stattfand, unterstrich die anhaltende Faszination für Marathon-Theater. Das Festival, das zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einlädt, verzeichnete rasche Ausverkäufe – etwa für die "Wallenstein"-Inszenierung der Münchner Kammerspiele. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Daten zu Spieldauern, doch die Nachfrage nach solchen monumentalen Werken ist unübersehbar.
Der Erfolg des diesjährigen Theatertreffens beweist: Das Publikum steht nach wie vor auf anspruchsvolle, langatmige Theaterabende. Produktionen wie "Wallenstein" oder die anstehende "Peer Gynt"-Wiederaufnahme zeigen, dass die Tradition des epischen Erzählens auf der Bühne lebendig bleibt. Angesichts schnell ausverkaufter Vorstellungen deutet nichts darauf hin, dass dieser Trend bald an Schwung verliert.






