Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – und löst damit einen Kulturstreit aus
Anna KrauseErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager – und löst damit einen Kulturstreit aus
Erlangen löst Debatte aus: Klassische Partyschlager als „sexistisch“ eingestuft
Vor dem Beginn des Bergkirchweih-Volksfests hat die Stadt Erlangen für Aufsehen gesorgt, indem sie bekannte Partyschlager als „sexistisch“ einordnete. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die angab, im vergangenen Jahr auf dem Fest belästigt worden zu sein. Fast eine Million Besucher werden in diesem Jahr erwartet – doch nun stellen Wirte und Musiker die Entscheidung infrage.
Der Streit begann, als eine Frau der Nürnberger Nachrichten berichtete, sie sei auf dem Fest von Männern unangemessen berührt worden. Zudem äußerte sie Unbehagen über die Texte bestimmter Lieder, die während der Veranstaltung gespielt wurden. Daraufhin prüfte die Stadtverwaltung eine Liste „problematischer“ Titel, darunter Hits wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel.
Federführend bei der Bewertung waren die Gleichstellungsbeauftragten der Erlanger Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck. Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 beschlossen, Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Bergkirchweih zu ächten. Der aktuelle Schritt baut auf diesem Beschluss auf.
Die Reaktionen der Musiker fallen scharf aus. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich das Vorgehen mit Zensur in der DDR. Peter Wackel, dessen Song Joana die Zeile Du geile Sau enthält, erklärte, viele Künstler hätten aufgrund der neuen Einschränkungen „null Bock“, in Deutschland aufzutreten. Lokale Wirte wiederum winken den Index als Teil eines größeren Kulturkonflikts ab.
Die Liste „frauenfeindlicher“ Lieder bleibt für das diesjährige Fest in Kraft. Künstler und Gastwirte kritisieren weiterhin, was sie als wachsende Beschneidung der künstlerischen Freiheit wahrnehmen. Die Stadtverwaltung hat keine weiteren Änderungen ihrer Richtlinie angekündigt.






