Deutschland setzt auf Gasausbau und Kernfusion – doch wer profitiert wirklich?
Lukas MüllerDeutschland setzt auf Gasausbau und Kernfusion – doch wer profitiert wirklich?
Deutschland treibt weitreichende Änderungen seiner Energiestrategie voran und kombiniert dabei neue Investitionen in Gas mit langfristigen Plänen für die Kernfusion. Die Bundesregierung hat 1,7 Milliarden Euro für die Forschung bereitgestellt, um das erste funktionsfähige Fusionskraftwerk der Welt zu bauen. Gleichzeitig fördert Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den Ausbau der Gasförderung und der dazugehörigen Infrastruktur.
Die jüngsten Vorschläge des Wirtschaftsministeriums umfassen eine Quote für „grünes Gas“, die es den bestehenden Gasnetzen ermöglichen soll, länger in Betrieb zu bleiben. Zudem laufen Pläne, die heimische Gasförderung auszubauen – insbesondere vor der Nordseeinsel Borkum. Ab 2026 sollen außerdem neue Gaskraftwerke mit einer Leistung von 12 Gigawatt errichtet werden.
Reiche, die zuvor die Gaslobbyorganisation Westenergie AG geleitet und als Geschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) gewirkt hat, steuert diese Veränderungen. Die Entwürfe ihres Ministeriums sehen vor, dass Netzbetreiber künftig mehr Kontrolle über den Anschluss neuer Anlagen erhalten – ohne dass Entschädigungen für die Drosselung erneuerbarer Energien bei Netzengpässen garantiert werden. Bisher müssen Erneuerbaren-Anlagen häufig ihre Einspeisung reduzieren, während konventionelle Kraftwerke oft ihre Produktion hochfahren müssen.
Eine Studie des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) kommt zu dem Schluss, dass kleine modulare Reaktoren (SMR) gegenüber herkömmlichen Atomkraftwerken weder klare Sicherheits- noch Kostenvorteile bieten. Dennoch hat die EU 200 Millionen Euro für die Förderung von SMR-Innovationen im Rahmen ihrer übergeordneten Strategie bereitgestellt.
Die doppelgleisige Strategie der Bundesregierung zielt auf den kurzfristigen Ausbau der Gasversorgung ab, während gleichzeitig in Zukunftstechnologien wie die Kernfusion investiert wird. Netzbetreiber erhalten mehr Entscheidungsbefugnisse bei der Energieverteilung, was sich auf den Ausbau der Erneuerbaren auswirken könnte. Die EU-Förderung für SMR steht dabei im Kontrast zu den eigenen deutschen Erkenntnissen über deren Machbarkeit.






