09 May 2026, 22:13

Biennale Venedig 2025: Jury tritt zurück – Publikum entscheidet über Goldene Löwen

Plakat für Imre Kiralfys Super-Spektakel in Venedig, das kostümierte Performer vor einem gebogenen und Säulengebäude mit Laternen und Bäumen im Hintergrund zeigt, einschließlich Text und einer sichtbaren Person.

Biennale Venedig 2025: Jury tritt zurück – Publikum entscheidet über Goldene Löwen

Die Biennale Venedig 2025 ist in Aufruhr geraten, nachdem die gesamte internationale Jury aus Protest zurückgetreten ist. Ihr Boykott richtet sich gegen Länder, deren Führungspersönlichkeiten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind – konkret gegen Israel und Russland. Die Organisatoren sahen sich gezwungen, die Verleihung der Goldenen Löwen zu verschieben und stattdessen ein neues Publikumsvotum einzuführen.

Die Veranstaltung, die noch bis zum 22. November 2025 läuft, präsentiert weiterhin 100 nationale Pavillons und 111 Künstler:innen unter dem Motto „In Moll“. Doch die Kontroverse überlagert mittlerweile das künstlerische Programm der Ausstellung.

Der Eklat: Jury-Rücktritt und politische Spannungen

Die Krise begann, als alle fünf Jurymitglieder ihren Rücktritt erklärten – mit der Weigerung, die Beiträge Israels und Russlands zu bewerten. Ihr Schritt folgte Forderungen, Nationen auszuschließen, deren Regierungen wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehen. Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung lehnten den Boykott jedoch ab und betonten, die Veranstaltung müsse politisch neutral bleiben.

Unter den umstrittenen Pavillons zeigt Israel„Rose der Leere“, kuratiert von Michael Gov mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller. Russland präsentiert „Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel“, geleitet von Anastasiia Karneeva. Beide bleiben trotz der Auseinandersetzungen für Besucher:innen geöffnet.

Portugal positioniert sich – künstlerisch und politisch

Auch Portugals Beitrag, „RedSkyFalls“ des Künstlers Alexandre Estrela, steht im Fokus – allerdings nicht wegen Kontroversen, sondern wegen Estrelas eigener Haltung. Er sprach sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels aus und unterstützte damit den Protest der Jury. Seine Arbeit ist im Palazzo Fondaco Marcello zu sehen, Teil des weiteren lusophonen Auftritts mit Beiträgen aus Brasilien und Osttimor.

Publikum entscheidet: Die „Besucher-Löwen“ ersetzen die Jury

Da die Verleihung der Goldenen Löwen ausgesetzt wurde, haben die Organisatoren die „Besucher-Löwen“ ins Leben gerufen – ein Publikumsvotum, bei dem die Besucher:innen ihre Favoriten wählen können. Die Biennale läuft mit 31 Begleitveranstaltungen weiter, doch der Schatten des Boykotts lastet bis zum Schluss über der Veranstaltung.

Ein Wendepunkt: Kunst, Politik und die Frage der Zensur

Der Rückzug der Jury hat diese Biennale grundlegend verändert: Statt Fachjurys entscheidet nun das Publikum über die Auszeichnungen. Zwar geht die Ausstellung weiter, doch das Fehlen des Goldenen Löwen – einer der renommiertesten Preise – markiert einen tiefgreifenden Wandel. Die Besucher:innen bestimmen nun die Sieger, doch die Debatte über Kunst, Politik und Zensur bleibt ungelöst.

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