26 March 2026, 22:14

Bergsport im Social-Media-Wahn: Wenn Likes über Sicherheit siegen

Schwarz-weißes Foto einer 1918er Zeitung mit der Überschrift "Glasnik", das eine Gruppe von Menschen mit Rucksäcken zeigt, die einen Berg besteigen.

Bergsport im Social-Media-Wahn: Wenn Likes über Sicherheit siegen

Soziale Medien verändern die Art, wie Menschen an den Bergsport herangehen – mit teils lebensgefährlichen Risiken für die Aufmerksamkeit im Netz. Aktuelle Vorfälle zeigen, dass Wanderer und Kletterer immer öfter unvorbereitet und ohne ausreichende Fähigkeiten gefährliche Routen in den Alpen wagen. Experten warnen, dass dieser Trend zu mehr Rettungseinsätzen und vermeidbaren Gefahren führt.

Der norwegische Kletterer Magnus Midtbø erreichte den Gipfel des Matterhorns – ohne alpine Erfahrung oder Bergführer. Sein YouTube-Video des Aufstiegs wurde mittlerweile über 2,7 Millionen Mal aufgerufen. Mittlerweile bereut er seine Entscheidung und rät anderen dringend, es ihm nicht gleichzutun.

Auch der unerfahrene Wanderer Jonathan Schöck wagte sich an Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze – trotz Höhenangst. Sein Vorhaben endete in einem Rettungseinsatz, einer von vielen, die auf mangelnde Vorbereitung zurückzuführen sind. In den Allgäuer Alpen mussten zwei junge Wanderer von der Bergwacht Bayern gerettet werden, nachdem sie ihre Route anhand von TikTok-Tipps geplant hatten.

Die Kritik der Alpenvereine fällt hart aus. Christoph Pirchmoser vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) nennt Midtbøs Aufstieg "leichtsinnig" und betont, dass er nur knapp einer Katastrophe entgangen sei. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) sieht in solchen Aktionen vor allem "Adrenalinjagd" und weniger einen breiten Trend. Roland Ampenberger von der Bergwacht Bayern argumentiert, soziale Medien würden im Bergsport Hedonismus und Selbstinszenierung fördern.

Rettungskräfte verzeichnen eine Zunahme an Einsätzen für unvorbereitete Bergsteiger, auch wenn keine genauen Zahlen vorliegen, die direkt mit der Influencer-Kultur zusammenhängen. Anjan Truffer, Rettungssanitäter bei Air Zermatt, erinnert sich, dass Menschen früher mit mehr Respekt an die Berge herangingen und ihre Fähigkeiten schrittweise aufbauten. Heute, so Truffer, trieben soziale Medien sie schneller in Gefahr als je zuvor.

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Die Bergrettung schlägt Alarm: Immer mehr Notfälle entstehen, weil Wanderer Risiken unterschätzen – beeinflusst von den scheinbar mühelosen Abenteuern in sozialen Medien. Experten betonen, wie wichtig eine fundierte Ausbildung und der Respekt vor den alpinen Bedingungen sind. Ohne ein Umdenken, warnen sie, werde die Zahl vermeidbarer Unfälle weiter steigen.

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