Bahn-Streichungen in Bayern drohen: Marodes Schienennetz zwingt zur radikalen Lösung
Anna KrauseMarode Bahn: Zugstreichungen in der Diskussion - Bahn-Streichungen in Bayern drohen: Marodes Schienennetz zwingt zur radikalen Lösung
Die Deutsche Bahn erwägt massive Streichungen im Zugverkehr in Bayern – verursacht durch das marode Schienennetz der Region. Die möglichen Ausfälle sind das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung, wobei Experten warnen, dass die Sanierung noch ein weiteres Jahrzehnt dauern könnte. Unterdessen lehnte Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) einen der radikalsten Vorschläge des Betreibers ab: eine monatelange Vollsperrung der wichtigen Strecke München–Rosenheim im Jahr 2028.
Die Krise wurde nach einem nicht öffentlichen Treffen zwischen Bahn-Chefin Evelyn Palla und Landespolitikern bekannt. Bei dem Gespräch räumten Palla und Minister Bernreiter ein, dass das bayerische Schienennetz seit langem unter chronischer Unterfinanzierung leidet. Betroffen ist unter anderem die Verbindung München–Rosenheim, eine zentrale Achse für Züge in Richtung Salzburg, Wien, Innsbruck und Italien.
Der CSU-Verkehrsexperte Jürgen Baumgärtner bestätigte die Diskussionen später im Landtag. Zwar betonte Bernreiter, alles daran zu setzen, Streichungen zu vermeiden, schloss aber Kapazitätsreduzierungen nicht aus. Die Bahn hat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, kündigte jedoch eine Bekanntgabe bis Ende dieser oder Anfang nächster Woche an.
Philipp Nagl, Chef von DB Infrago, schlug vor, durch Anpassungen bei der Trassenvergabe Kapazitäten und Servicequalität besser in Einklang zu bringen. Die Grünen forderten die Staatsregierung unterdessen auf, die Bahnfinanzierung sofort deutlich aufzustocken. Trotz des 2023 gestarteten größten Eisenbahn-Investitionsprogramms der Nachkriegszeit – mit über vier Milliarden Euro für Bayern bis 2026 – warnen Fachleute, dass eine vollständige Erneuerung des Netzes mindestens zehn weitere Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Freistaat steht nun vor der Herausforderung, die Sanierung zu beschleunigen, ohne den Betrieb massiv zu beeinträchtigen. Obwohl bereits Milliarden bewilligt sind, kommt es darauf an, wie schnell die Mittel die überalterte Infrastruktur modernisieren können. Bis dahin müssen Fahrgäste und Güterverkehrsunternehmen auf die offizielle Stellungnahme der Bahn zu möglichen Einschnitten warten.