02 May 2026, 16:12

Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Gesundheitsreformen

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Gesundheitsreformen

Ein erbitterter Streit ist zwischen deutschen Apothekern und Ärzten über geplante Gesundheitsreformen entbrannt. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das die Dienstleistungen von Apotheken ausweiten soll – darunter auch Impfungen. Vertreter beider Berufsgruppen haben sich gegenseitig scharf kritisiert, wobei Vorwürfe von Unwissenheit und finanzieller Misswirtschaft im Raum stehen.

Auslöser des Konflikts war die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die festen Abgabegebühren für Apotheken um eine zusätzliche Milliarde Euro zu erhöhen. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen warf dem Ministerium daraufhin vor, Apotheken zu bevorzugen, während die Ausgaben im Krankenhausbereich außer Kontrolle gerieten. Zudem bemängelte er, dass Arztpraxen keine vergleichbare finanzielle Unterstützung erhielten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die die vertragsärztliche Versorgung vertritt, lehnt das ApoVWG entschieden ab. Hauptkritikpunkt ist die Ausweitung von Impfungen in Apotheken, die ihrer Meinung nach zu „nicht evidenzbasierten, undifferenzierten Tests“ durch „medizinische Laien“ führen könnte. Gassens Äußerungen provozierten eine scharfe Gegenreaktion von Marietheres Reher-Gremme, Apothekerin und Sprecherin der Branche.

Reher-Gremme wies Gassens Vorwürfe als „Unwissenheit und Arroganz“ zurück. Sie betonte, dass Apotheker eine strenge Ausbildung durchlaufen und eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Arzneimittelnebenwirkungen sowie der Verbesserung der Medikamentensicherheit spielen. Als Beispiel führte sie die Pandemie an, in der Apotheken erfolgreich Grippeschutz- und COVID-19-Impfungen verabreicht hätten – ohne dass es zu medizinischen Zwischenfällen gekommen sei.

Auch Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes wies sie zurück: Apotheker gingen verantwortungsvoll mit diesen Medikamenten um und seien sich der Resistenzgefahren voll bewusst. Reher-Gremme plädierte für einen konstruktiveren Ansatz und forderte einen offenen Dialog sowie eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern. Viele Mediziner erkannten bereits den Nutzen einer engen Abstimmung mit Apotheken, um das Gesundheitssystem zu stärken, so die Apothekerin.

Der Streit offenbart tiefe Gräben über die Zukunft der Apothekenleistungen in Deutschland. Während Apotheker ihre Fachkompetenz als unterbewertet ansehen, warnen Ärzte vor einer Ausweitung ihrer Rolle ohne strengere Kontrollen. Das Ergebnis dieser Debatte könnte maßgeblich beeinflussen, wie Impfungen und die Arzneimittelversorgung in den kommenden Jahren gestaltet werden.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle