Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
Moritz AlbrechtAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Proteste aus
An der Berliner Staatsoper feierte diese Woche eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der umstrittenen Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle. Die Uraufführung löste sowohl begeisterten Applaus als auch Proteste aus, da sich vor dem Opernhaus Demonstranten versammelten, um gegen ihren Auftritt zu demonstrieren.
Rund 50 Protestierende schwenkten ukrainische Flaggen und skandierten Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Die Kundgebung richtete sich gegen Netrebkos frühere Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin, darunter ihre Teilnahme an dessen Geburtstagsfeier 2018 im Moskauer Kreml. Seit ihren letzten Auftritten in Russland 2022 steht sie in der Kritik, weil sie die Invasion der Ukraine nicht explizit verurteilte – was zu Absagen ihrer Engagements in Europa und den USA führte.
Im Inneren des Opernhauses betrat Netrebko als Amelia in Verdis Un ballo in maschera die Bühne, Teil des Weihnachtsprogramms der Staatsoper. Das Publikum honorierte ihre Darstellung mit begeistertem Beifall, vereinzelt waren jedoch auch Buhrufe zu hören. Die Inszenierung unter der Regie von Rafael R. Villalobos bezog Elemente der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise ein und verleiht dem klassischen Werk so eine moderne Dimension.
Trotz der Kontroversen erhielt die Aufführung starke Anerkennung für Sänger:innen und Musiker:innen gleichermaßen. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, bleibt eine präsente Figur in Berlin – während die Debatten über ihre politische Haltung anhalten. Medien wie die New York Times und Der Spiegel bewerten ihre geplante Rückkehr an die Wiener Staatsoper 2025 als umstrittenen Schritt angesichts anhaltender kultureller Boykottaufrufe.
Die Premiere verdeutlichte den Graben zwischen Netrebkos künstlerischer Rezeption und den politischen Vorwürfen, mit denen sie konfrontiert ist. Während ihre Darstellung im Saal Bewunderung auslöste, unterstrichen die Proteste draußen die anhaltenden Spannungen wegen ihrer vermeintlichen Nähe zur russischen Regierung. Die Produktion der Staatsoper wird wie geplant während der Feiertage weitergeführt.






