Allgäu kämpft um seine Hausärzte: Warum die medizinische Versorgung bröckelt

Admin User
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Ein Flussdiagramm, das die verschiedenen Arten von medizinischen Kosten darstellt, die mit Vorerkrankungen, Gesundheit und Gesundheitsergebnissen verbunden sind, mit Kästchen, die "Vorerkrankungen", "Gesundheit", "Versicherung" und "Kosten" beschriften sind und durch Pfeile verbunden sind.Admin User

Allgäu kämpft um seine Hausärzte: Warum die medizinische Versorgung bröckelt

Im Allgäu wachsen die Herausforderungen für das Gesundheitssystem

Die Region Allgäu steht vor zunehmenden Problemen in der medizinischen Versorgung. Zwar ist die Versorgung mit Fach- und Hausärzten derzeit noch stabil, doch der Personalmangel wird immer spürbarer. Eine Kombination aus Renteneintritten, sinkenden Absolventenzahlen in der Medizin und veränderten Arbeitspräferenzen setzt die lokalen Einrichtungen unter Druck.

Viele Hausärzte im Allgäu nähern sich dem Rentenalter, was vor allem in Schlüsseldisziplinen zu Lücken führt. In den Bereichen Neurologie, Pneumologie, Psychiatrie und Kardiologie gibt es bereits unbesetzte Stellen. Besonders angespannt ist die Situation in der Gastroenterologie: Zwei Internisten stehen kurz vor dem Ruhestand – zurück bleibt nur eine Praxis und das Krankenhaus, um Koloskopien durchzuführen. Patienten könnten bald weitere Wege für Behandlungen in Kauf nehmen müssen, vor allem bei Eingriffen, die eine Sedierung erfordern.

Die Region reagiert mit neuen Strategien. Integrierte Versorgungsmodelle verbinden ambulante und stationäre Angebote, um die Effizienz zu steigern. Investitionen in moderne Technologie und den Ausbau medizinischer Zentren wie das Krebszentrum Kempten Allgäu sollen die Patientenversorgung stärken. Mit gezielten Nachwuchskampagnen wirbt man zudem dafür, lokale Praxen als attraktive Arbeitsplätze zu positionieren, um Hausärzte in der Region zu halten.

Gleichzeitig erschweren übergeordnete Trends die Personalsituation. Obwohl die Bevölkerung wächst und altert, gibt es in Deutschland heute weniger Studienplätze in Medizin als früher. Da zwei Drittel der Absolventen Frauen sind – viele von ihnen bevorzugen Teilzeitstellen –, wird mehr Personal benötigt, um dieselben Positionen zu besetzen. Das traditionelle Modell des Einzelkämpfers in der Praxis verliert an Bedeutung, und nicht jede Gemeinde wird künftig genug Hausärzte vorhalten können.

Ein vorgeschlagenes Hausarztzentriertes Versorgungssystem könnte Abhilfe schaffen, indem es Patienten frühzeitig an die richtigen Fachärzte vermittelt. Dadurch ließe sich die unnötige Belastung überlasteter Abteilungen verringern. Kommunen werden zudem aufgefordert, bezahlbare und gut ausgestattete Praxisräume anzubieten, um Hausärzte anzulocken und langfristig zu binden.

Das Allgäu unternimmt Schritte, um die medizinische Zukunft der Region zu sichern. Durch bessere Nachwuchsgewinnung, moderne Technologie und vernetzte Versorgungsstrukturen soll der Einfluss von Renteneintritten und Personalengpässen abgemildert werden. Langfristige Lösungen werden jedoch auch von grundlegenden Reformen in der ärztlichen Ausbildung und flexibleren Arbeitsmodellen abhängen.