10 June 2026, 16:16

350 Filmschaffende verteidigen Nadav Lapid gegen kulturellen Boykottaufruf

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

350 Filmschaffende verteidigen Nadav Lapid gegen kulturellen Boykottaufruf

Über 350 Filmschaffende stellen sich gegen kulturellen Boykott des israelischen Regisseurs Nadav Lapid

In einem offenen Brief, der in der Le Monde veröffentlicht wurde, wenden sich mehr als 350 Persönlichkeiten aus der Filmbranche gegen einen kulturellen Boykott des israelischen Regisseurs Nadav Lapid. Unter den Unterzeichnern befinden sich Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard. Darin argumentieren sie, dass die Ächtung von Künstlern aufgrund ihrer Nationalität fehlgeleitet und schädlich sei.

Auslöser der Kontroverse war die Einladung Lapids als Jurymitglied beim internationalen Filmfestival FID Marseille. Rund zehn Filmemacher zogen daraufhin ihre Beiträge aus Protest zurück und forderten seine Absetzung. Darunter war auch die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die Vorwürfe der Zensur zurückwies, aber betonte, sie lehne ein politisches und kulturelles Modell ab, das sie nicht unterstütze.

Als Reaktion veröffentlichte Le Monde zwei Stellungnahmen zur Verteidigung Lapids. In einer der von prominenten Persönlichkeiten – darunter Portman – unterzeichneten Erklärungen wird der Boykott abgelehnt und die Bedeutung des Dialogs mit kritischen Stimmen hervorgehoben. Eine zweite, unter dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ veröffentlichte Stellungnahme hinterfragt die Logik des Boykotts und warnt davor, Künstler auf ihre Nationalität statt auf ihr Werk zu reduzieren.

Lapid, ein entschiedener Kritiker der Regierung Benjamin Netanyahus, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Das für 2025 geplante Projekt erhielt teilweise Förderung vom Israel Film Fund, einer unabhängigen Institution, die sowohl israelische als auch palästinensische Filmprojekte unterstützt.

Trotz des Drucks weigert sich Lapid, die boykottierenden Filmemacher als Gegner zu betrachten. Zwar befürwortet er politische Sanktionen gegen Israel, lehnt den kulturellen Boykott jedoch als Bedrohung für die künstlerische Freiheit ab. Lapid warnt, der wachsende Druck könnte eine abschreckende Wirkung auf Kultureinrichtungen entfalten und zu Selbstzensur aus Angst vor Kontroversen führen. Die Debatte offenbart tiefe Gräben über die Rolle der Politik in der Kunst und die Grenzen des Protests.

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